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Die Zukunft sitzt mit am Tisch

Die Zukunft sitzt mit am Tisch

Perspektiven im Blick: Ein Interview mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der SK Family Office GmbH Alexander Ruis.

Elite Report extra: Herr Ruis, in einem Family Office wird viel an die Zukunft gedacht. Wie sieht das in Ihrem Alltag konkret aus?

Alexander Ruis: Ja, es ist richtig, wir überwachen permanent zahlreiche Aspekte und planen durchwegs strategisch, dabei beziehen wir unzählige Unwägbarkeiten beziehungsweise Szenarien mit ein. Man kann durchaus sagen, dass die Zukunft bei uns immer mit am Tisch sitzt.

Elite Report extra: Was sind für Sie dabei die wiederkehrenden Aspekte?

Alexander Ruis: Zunächst einmal fällt einem dabei die Frage ein: »Wie geht es mit der Wirtschaft und mit den Kapitalmärkten weiter?«. Doch unsere Arbeit hat komplexere Aspekte. Zunächst sind es in den meisten Fällen die Vermögensinhaber selber, die als Menschen mit ihren Neigungen und Zukunftsplanungen der Ausgangspunkt unserer Überlegungen sind.

Elite Report extra: Aber müssen Sie sich nicht in erster Linie um die Vermögen Ihrer Kunden kümmern?

Alexander Ruis: Ja, das ist schon so, aber das eine geht ohne das andere nicht. Grundsätzlich vertreten wir die Auffassung: Die Vermögen sind für die Menschen da und nicht die Menschen für das Vermögen. Das heißt, die Wahl des Wohnorts oder der Wohnorte, die steuerliche Domizilierung, die familiäre Situation und vieles mehr geben Rahmenbedingungen vor, die die jeweilige Vermögensstrategie beeinflussen. Aber auch die Risikoneigung und die Ertragserwartung eines Vermögensinhabers sind maßgebliche Faktoren. Hinzu kommt in Unternehmerfamilien vielfach, dass man Vermögensgegenstände gemeinsam mit anderen Personen besitzt. Insofern ist eine vermögensstrategische Planung für Vermögens inhaber unmöglich, deren Neigungen, persönlichen Wünsche und Pläne, aber vielleicht auch ihre Charakterbesonderheiten man nicht kennt.

Elite Report extra: Und auf welchem Weg teilen Ihre Kunden Ihnen diese Dinge mit?

Alexander Ruis: Hier zeigt sich eine ganz wesentliche Facette des Family-Office-Geschäfts: Nur über längere Zeiträume eines von wechselseitigem Vertrauen getragenen Miteinanders werden die Früchte erfolgreicher Zusammenarbeit eingefahren. Über die Zeit kommen stetig neue Dinge zur Sprache; außerdem lernt man, wie die einzelnen Menschen in bestimmten Situationen reagieren. Es ist grundsätzlich so, dass, je besser man einen Menschen und seine Rahmenbedingungen kennt, desto besser kann man ihn persönlich beraten.

Elite Report extra: Und wie geht es dann weiter?

Alexander Ruis: Ein Vermögensinhaber lebt in der Regel als Bestandteil einer Familie, hier gibt es Vorstellungen, wie Vermögen weitergegeben werden sollen. Aber auch die Weitergabe oder das Vererben von Vermögen an Familienfremde, an gemeinnützige Organisationen oder gar die Errichtung einer Stiftung setzt die Rahmenbedingungen. Bei Vermögensinhabern ohne Nachkommen ist Letzteres die Regel.

Elite Report extra: Und wie schlagen Sie dann die Brücke zum Vermögen?

Alexander Ruis: Große Vermögen sind häufig komplex strukturiert, zudem stehen sie bisweilen in langer Tradition. Damit sind bereits gewisse Leitplanken gesetzt. Einfach Tabula rasa funktioniert in der Praxis nicht. Ein großes, komplexes Vermögen »auszusteuern«, das gleicht den Anforderungen, die sich beim Navigieren eines großen Schiffes oder Tankers stellen: Man justiert mit Weitsicht und langfristig. Wenn man die vorliegende Struktur des Vermögens, die Rahmenbedingungen, die die Vermö - gens inhaber einer Familie mitbringen, und die damit verbundenen steuerlichen und rechtlichen Gegebenheiten miteinander verknüpft, müssen Zielstrukturen für die Vermögen erarbeitet werden, die sich für die künftigen Entwicklungen als krisen- und wasserfest erweisen. Das heißt, die Erwartungen der Vermögensinhaber sollten im Rahmen des Möglichen erfüllt werden, sie sollten aber auch realistisch sein; denn wer zu viel will, bekommt am Ende oft gar nichts. Ein Family Office muss bisweilen den Vermögensinhaber darauf hinweisen, wenn dieser gegen die eigenen Interessen zu agieren droht.

Elite Report extra: Wem begegnen Sie noch in Ihrem Alltag?

Alexander Ruis: Wir sprechen mit den Vermögensinhabern und ihren Vermögensmanagern, aber es gibt nicht selten angeschlossene Gesprächspartner, die unsere Kunden mit an den Tisch bringen. So existiert beispielsweise kaum eine Kundenverbindung, die ohne wiederkehrenden Kontakt mit dem Steuerberater auskommt; hier fließen ständig Informationen hin und her. Auch die Rechtsanwälte kennen wir oft, insbesondere wenn es um gesellschaftsrechtliche Fragestellungen oder Nachfolgeplanungen geht.

Elite Report extra: Lassen Sie uns nun über das spannende Thema der Kapitalmärkte sprechen. Wie gehen Sie hier an die Sache?

Alexander Ruis: Ja, das ist in der Tat ein spannendes Thema. Hier ist man als guter Gesprächs- und Sparringspartner der Vermögensinhaber gefordert, muss also ständig »auf Stand« sein. Man sollte seine Rolle als Verantwortlicher eines Family Offices gut kennen und entsprechend handeln. In besonderer Weise verbietet sich sprunghaft taktisches Reagieren auf kurzfristige Kapitalmarktsituationen. Ein Family Office sollte primär den Blick auf das große Ganze haben, langfristige Strategien erarbeiten und die entsprechende Umsetzung garantieren. In der Praxis muss man gleichwohl ad hoc Rede und Antwort stehen können, wenn es um die Einschätzung aktueller Situationen geht.

Elite Report extra: Welches sind denn diese besonders aktuellen Fragen, die Ihnen derzeit begegnen?

Alexander Ruis: Ein Dauerbrenner unserer Gespräche der letzten Zeit ist natürlich US-Präsident Donald Trump. Hier zeigen sich viele Schwierigkeiten unserer Beratungsarbeit exemplarisch. Natürlich ist Trump ein wichtiger Faktor, er hat bereits Spuren hinterlassen, und er wird noch weitere Spuren hinterlassen, aber allzu sehr an ihm festbeißen sollte man sich nicht. Ein Vermögen, das von einem Family Office betreut wird, wird den fast achtzigjährigen Präsidenten über leben, und nicht alles hängt allein von ihm als Person ab. Auffälligerweise lassen sich die Kapitalmärkte von seinen Eskapaden bislang nicht allzu sehr beeindrucken. Wir sehen das an den Börsen indizes, die nach wie vor gut dastehen. Gleichzeitig allerdings erleidet der US-Dollar durch Trumps erratische Finanz- und Wirtschaftspolitik eine Schwäche. Die Börsen unterdessen erfreuen sich an den technologischen Neuerungen, dies in erster Linie im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

Elite Report extra: Wie reagieren Sie dann?

Alexander Ruis: Ich meine, dass Überlegungen wie »aber eigentlich müsste doch …« nichts bringen, die Börse hat immer recht. Wir müssen strategisch investieren und dabei die Risiken im Blick haben. Gegenwärtig schauen wir uns die Problematik der ständig steigenden Staatsverschuldung sehr genau an, möglicherweise lauert hier eine Krise größeren Ausmaßes. Exakt timen kann man so etwas gleichwohl nicht. Unter dem Strich schaut man vielleicht zu stark auf die Risiken der Aktienmärkte, während das wohl größere Risiko eher bei den Nominalwerten lauert.

Elite Report extra: Und wenn Sie weiter nach vorne schauen?

Alexander Ruis: Wir erleben derzeit eine Umwälzung größeren Ausmaßes, die vielen Mitbürgern noch gar nicht bewusst ist. So erwarten wir durch Kryptowährungen, und zwar weniger durch Bitcoin & Co. als vielmehr durch Stablecoins – also Kryptowährungen, die durch US-Dollar und andere klassische Währungen hinterlegt sind – sowie durch neue Digitalwährungen von Zentralbanken eine grundlegende Revolution innerhalb unseres Geldsystems, unseres Zahlungsverkehrs und unserer Bankenlandschaft.

Elite Report extra: Was fehlt uns noch bei unserer Betrachtung?

Alexander Ruis: Je länger man in diesem Feld arbeitet, desto stärker wird klar, dass nichts von Bestand ist. Das betrifft Institutionen wie Menschen gleichermaßen. So stellen wir immer wieder fest, dass langjährige Geschäftspartner, also Firmen, sich verändern. So etwas ist für Vermögensinhaber häufig bitter, weil ein als verlässlich geglaubter Baustein ihres »Gebäudes« bröckelt. Umgekehrt ändern sich mit den Menschen, den Familien und den Vermögen auch die Wünsche und Anforderungen der Vermögensinhaber. Das ist oft nicht immer leicht für die Geschäftspartner. Und so wie sich in den betreuten Familien immer wieder Geburten und Todesfälle ereignen, so scheiden auch Menschen als Geschäftspartner aus Alters- oder anderen Gründen aus. Hier ist es dann Aufgabe eines Family Offices, neue Firmenkonstellationen oder Personen zu identifizieren, die entstandene Lücken schließen oder einen neuen Bedarf decken können.

Elite Report extra: Wie würden Sie dann Ihre Arbeit zusammenfassen?

Alexander Ruis: Es wird nicht langweilig.

Elite Report extra: Herr Ruis, herzlichen Dank für Ihre Antworten!